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Muscat - Schwarzmeerküste 

 

Die nächste große Hürde steht uns bevor. Wir hoffen inständig, dass uns die saudische Botschaft die Transitvisa ausstellen wird. Wenn das klappt warten drei heftige Tage auf uns: Knapp 2500 Kilometer auf einer Straße, die sich fast schnurgerade durch unerträgliche Hitze, Sand und nochmals Sand erstreckt.

Drei Tage und ewige Warterei später:

Nachdem uns die Botschaft und das Konsulat der Saudis in nicht gekannter Art und Weise haben warten lassen, denken wir bereits darüber nach, die Reiseroute abzuändern. Was für ein Kack! Die saudische Botschaft in Deutschland meinte vor der Abreise wir bekämen die Transitvisa in Dubai oder Maskat ohne Probleme (normalerweise ist ein Aidstest notwendig) ausgestellt. Um uns abzusichern haben wir uns sogar noch Empfehlungsschreiben des deutschen Konsulats eingeholt. In Maskat heißt es nun, wir bekämen die Visa wie versprochen - allerdings nur in Dubai und dort müssten wir dann  auch Minimum drei Wochen Wartezeit einkalkulieren. Wenn dem so sein sollte, werden wir wieder mit der  teuren Fähre von Sharja nach Bandar-Abbas schippern, die fürchterlich Zollabwicklung durchstehen und so leid es uns tut, Saudi Arabien, Jordanien und Syrien von der Reiseroute streichen. Wir sind uns einig, dass eine Wartezeit in Dubai, der für mich schlimmsten Stadt, die ich kenne, nicht in Frage kommt. Wer einmal mit dem Motorrad durch diesen Backofen gefahren ist, weiß wovon ich rede... Dieses Moloch erstickt an der undurchdachten Verkehrsführung und man muss zwischen hupenden Fahrzeugen und den heißen Abgasen Temperaturen von weit über 50 Grad über sich ergehen lassen.

 

Zwei Tage später (sind nun in Dubai):

Wie erwartet war der Besuch der saudischen Botschaft in Dubai der allerletzte Scheiß! Noch nie habe ich solch ein Chaos erlebt. In dem muffigen Gebäude scheint einer nicht zu wissen was der andere tut und zwischen meterhohen Papierbergen und Kartonweise Reisepässen aus aller Herren Länder wird gebrüllt, gedrängelt und verzweifelt geflucht. Wir haben alle nur erdenklichen Verantwortlichen mindestens drei Mal gesprochen, bis endgültig klar war, dass die Durchreise durch das Land nicht möglich sein wird. Wir werden nun also den Rückweg über den geliebten Iran antreten und von dort Richtung Schwarzmeerküste fahren.

 

Warten in Dubai bei Wellness-Programm und Arschbomben-Contest...

 

 

Fähre über den Persischen Golf (eine einzige Katastrophe)

Leider hatten wir keine andere Option, denn ich kann wirklich nur davon abraten, den Persischen Golf mit der Fähre zu überqueren.  Eine Strecke kostet umgerechnet etwa 500 Euro, man muss zahllose Stellen schmieren und unzählige Stempel einholen, die über die ganze Stadt verteilt sind. Wenn wir nicht den Oman bereist hätten und unser Ziel stattdessen Dubai gewesen wäre, würde ich behaupten, dass es die dümmste Entscheidung gewesen ist, die ich je getroffen habe. So bleiben zumindest die traumhaften Erinnerungen an den sagenhaften Oman und das Wissen, nie wieder in die Arabischen Emirate reisen zu wollen.

 

Irgendwo im Süden des Iran

 

 

 

Für die Rückreise durch den Oman haben wir traumhafte Straßen gewählt und auch das Wetter, das auf dem Hinweg eher bescheiden war, zeigte sich von seiner besten Seite.

Ich möchte Euch bei dieser Gelegenheit einen tollen Menschen vorstellen der uns beı einem weiteren Defekt an Carstens Motorrad dıe Weıterfahrt ermöglıcht haben. Hamıt, eın 64-jaehrıgen Motorradfreak und ehemalıgen Motocrossprofı (den eınzıgen, den es ım Iran je gab), der so unglaublich versiert den Vergaser instand gesetzt hat und uns unglaublıche Geschıchten aus seinem Leben erzaehlte. Zum Beıspıel von seınen Weıtsprung-Rekordversuchen, beı denen er sıch mehrfach saemtlıche Knochen brach oder seine spannenden Schılderungen, von seiner Zeit als Kradmelder wo er ım Iran-Irak Krıeg vom Motorrad geschossen wurde...

In Kriegszeiten, als Hamit als Kradmelder  im Einsatz war, so sagte er mir, begann seine große Leidenschaft für Motorräder und sein Verlangen danach, mit ihnen über die unterschiedlichsten Hindernisse zu springen. Auto, Busse, Panzer oder auch brennende USA-Flaggen (er lächelt, denn eigentlich mag er die USA), nichts war vor ihm und seiner aufgemotzten Herkules sicher. Er wurde so gut wie auch waghalsig und sorgte im ganzen Land für soviel Furore mit seinen “Todes-Sprüngen“, dass er irgendwann Geld dafür bekam und seinen Traum leben konnte. Mittlerweile ist er in der Motorradszene Irans eine solche Legende, dass sein Bild lorbeerkranzumringt die von Yamaha-Japan ausgelieferten Werbeplakate ziert. Um heute den Lebensunterhalt zu bestreiten (da er nicht mehr ganz so weit springen kann, scheidet das aktive Fahren aus) betreibt er eine kleine Produktionsstätte für Bremsbeläge und Motorradzündspulen, die die ganze Familie im Wohnzimmer zusammenbaut und von dort aus in den ganzen Iran verschickt. Er hat seine Leidenschaft an die ganze Familie weitergegeben und nicht nur die beiden Söhne, sondern auch die beiden Töchter verbringen viel Zeit damit, auf irgendwelchen Pisten illegale Motorradrennen zu fahren. Wir haben zwei Tage in seinem Haus verbracht, uns zusammen die schönsten Stellen der Stadt Shiraz angeschaut und viel über den Iran gelernt. Auch haben wir lange darüber geredet, wie schön es doch ist, irgendwie verrückt zu sein. Hamit hat mich mit seinen Erzählungen darin bestärkt, das für mich richtige Leben zu führen und nicht darauf zu warten, dass ich meine Träume irgendwann einmal träumen kann. Er bat mich außerdem, den Menschen in Deutschland zu erzählen, dass in seinem Land keine Gotteskrieger über die Straßen rennen, keine Frauen verschleiert im Heim angekettet seien und alle nur darauf warten, den heiligen Krieg zu führen. Glaub mir Hamit, dies werde ich tun, denn noch nie habe ich ein so friedliches, aufrichtiges und sympathisches Volk kennengelernt, wie Euch Iraner. Danke Iran, für alles, was Ihr für uns getan und gegeben habt.

Hamit bei einer seiner Ehrungen

 

Hamit ist nicht stolz auf dieses Bild, muss aber schmunzeln

 

Iranische Motorradclique in den 70ern (man beachte die sexy Beinkleider rechts..:-)

Hamit (rechts im Bild) mit Söhnen nach der Vergaserreparatur. Was für ein unglaublich lieber und bewundernswerter Mensch!

 

  Türkei

Wie Ihr sicherlich bemerkt habt, haben wir unsere Reiseroute abgeändert und umfahren nun das Schwarze Meer, anstatt es mit der Fähre zu überqueren. Wir hatten nach dem unerträglichen Prozedere bei der Fährverbindung von Dubai in den Iran (zwei Tage Zoll, unendlich viel Geld und 23 Station die abgeklappert werden mussten) einfach die Schnauze voll von irgendwelchen Fährverbindungen. Dafür stand uns der Kopf vielmehr nach richtig viel und lange Motorradfahren. Und genau das haben wir die letzten 7 Tage ausgiebig getan. Noch nie zuvor habe ich in solch kurzer Zeit solche klimatischen und landschaftlichen Veränderungen wahrgenommen, wie auf dem Ritt vom Persischen Golf ans Schwarze Meer.

 

Frühling im nördlichen Iran

Passhöhe in der Türkei (unglaubliche Temperaturunterschiede von 50 Grad in weniger als sieben Tagen)

Schwarzmeerküste

Ich muss sagen, dass es dass Schicksal gut mit uns meinte, als es die Entscheidung traf, uns entlang der Schwarzmeerküste fahren zu lassen. Wir sind beide so begeistert von diesem Teil der Türkei, dass es eine große Bereicherung und eines der Highlights dieser Reise ist. Seit Trabzon sind wir nun ständig entlang der Küste unterwegs und erleben ständige Wechsel zwischen mediterranen und nordischen Landschaften. Könnte man in einem Moment noch meinen, man sei im Mittelmeerraum unterwegs, so kann die Landschaft einen schon wenige Kilometer später mit Gegenden überraschen, die an Norwegen erinnern oder sogar an den Bayrischen Wald. - alles jedoch mit traumhaften Stränden und einer beispiellosen Natur. Wenn ich jemandem irgendeine Region als perfektes Motorradreiseziel empfehlen müsste, dass nicht gaaaanz so weit von Deutschland entfernt liegt, dann wäre es vermutlich die Schwarzmeertour in Verbindung mit Kappadokien. Ihr merkt, ich bin ganz angetan von diesem Teil des Landes.

 

Die Motorräder laufen mittlerweile auch wieder wie neu. Carstens Motorrad hatte ja zeitlich ziemliche Probleme mit dem Vergaser, die durch die immense Höhe und den schlechten Sprit im Iran zu erklären sind. Nachdem wir aber den Luftfilterkasten ausgebaut haben (Vergaserabstimmung war leider unmöglich, da eine Membrane in der Türkei eingeklebt wurde und somit nicht ausgebaut werden konnte und das ominöse Päckchen mit Ersatz im Postnirwana Dubais verschollen ist) und durch eine Eigenkonstruktion aus alten Socken und Moskitonetz ersetzt haben, läuft sie wieder. Dadurch bekommt der Vergaser die ausreichende Dosis Sauerstoff, was sonst nur durch ein Verändern der Düsennadeln möglich gewesen wäre..Mein Mopped rennt übrigens schon die ganze Zeit zu meiner vollsten Zufriedenheit und ich bin Zuversichtlich, dass dies auch so bleiben wird (Insh Allah)

Nachdem wir dann in den nächsten Tagen mit Überfahren der Bosporus-Brücke in Istanbul wieder europäischen Boden betreten werden, nehmen wir Kurs Richtung Donaudelta in Rumänien und dann weiter Schloss Bran in Transsylvanien.

 

Ich als Lebensretter